Quälspaß mit Bambusbike

 

Der „Tag des Sports“ lockt Jahr für Jahr hunderte Menschen nach Neureichenau. Einer von ihnen ist Wolfgang Krinninger, der Chefredakteur des Passauer Bistumsblatts. Von Anfang an dabei, konnte der Breitenberger in den letzten Jahren auch Bistumsblatt-Geschäftsleiter Axel Schürzinger und weitere Mitstreiter aus dem Bischöflichen Ordinariat zum Mitmachen in der Bistumsblatt-Mannschaft animieren. Auch heuer ist die Wochenzeitung mit mindestens vier Mountainbikern am Start. Und der Chefredakteur tritt erstmals mit seinem selbstgebauten Bambus-Rad an. In unserem Magazin erzählt er, warum er sich den „Quälspaß am Dreisessel“ immer wieder antut:

 

 

Ja, auch heuer wird der Punkt kommen: Wo die Lunge nach Luft japst, das Herz verzweifelt gegen den Brustkorb trommelt und die Beine übersäuert den Dienst quittieren wollen. Der Moment, wo der innere Schweinehund den schweißüberströmten körperlichen Überresten von weitem mit der Roten Karte winkt.  Der Augenblick, wo ich mir eigentlich ans Hirn langen möchte; was aber nicht geht, weil ich sofort vom Rad fallen würde, wenn ich den Lenker losließe.

 

Was machst du hier? Warum, zum Teufel, tust du dir das an?  Fragen wie diese stellen sich wohl die meisten Radler und Läufer und vermutlich auch manche Walker irgendwann auf dem Weg zum Gipfel. Das Schöne ist: Das geht vorbei. Die Zweifel weichen irgendwann der Zuversicht. Aus der Qual wird irgendwann ein Flow-Erlebnis. Beim Durchgereicht-werden landet man irgendwann in einer Gruppe, die das eigene Tempo nicht als schleichende Zumutung empfindet. Und irgendwann erreicht man den jubelnden Menschentunnel beim Schlussanstieg – und nichts kann einen mehr halten. Wunderbar! Nur einmal, ich glaube, es war im zweiten Jahr, wollte sich das Gefühl der Erlösung so gar nicht einstellen. Ich möchte nicht ganz ausschließen, dass es an den Rahmschwammerln und den zwei Semmelknödeln lag, die ich zuvor beim Mittagessen partout nicht stehenlassen wollte.

 

Ja, ich liebe den „Tag des Sports“. Schon Monate vorher kreuze ich den Termin im Kalender fett an und spreche mögliche Mitstreiter an. Wenn ich zum Haare schneiden zum Walter (Nebl) komme, gibt es kaum ein anderes Gesprächsthema. Mit meiner Nichte Sarah, eine WSV-Rastbüchl-Sportlerin, wette ich Wochen vorher, dass ich heuer schneller bin als sie, um ebenso sicher zu verlieren. Und natürlich ist der Trainingsplan – so nenne ich den Versuch, dem dicht gewebten Alltag die ein oder andere Stunde Radfahren zu entreißen – voll auf diesen Wettbewerb ausgerichtet. Es gibt für mich keinen anderen.

 

Warum ich mir den „Quälspaß“ immer wieder antue? Weil nicht nur Supersportler, sondern eben auch Freizeitradler wie ich in großer Zahl in Neureichenau am Start stehen. Weil der Dreisessel ein mystischer Ort ist. Weil es ein Natur- und Sporterlebnis gleichermaßen ist. Weil immer die Sonne scheint. Weil es kein Weißbier gibt, das auch nur ansatzweise so gut schmeckt wie das nach dieser Tortur beim Ausschank am Dreisessel-Wirtshaus. Weil sich nach der Abfahrt ins Tal bei der Racenight toller Sport und ein  schönes Fest unter Freunden anschließen. Kurz zusammengefasst: Weil dieser Tag das Leben reicher macht.  

 

Und so kommt es, dass mein neues, leichtes, selbstgebautes Bambus-Traumrad – der Baukurs war ein Geschenk meiner Familie und meiner Freunde zum 50. Geburtstag – doch ein winziges Zusatzgewicht trägt: eine Metallplakette, wie sie früher so viele Wanderstöcke zierte. Natürlich gab es nur ein Motiv, das dafür in Frage kam.  Wolfgang Krinninger

 

 

 

     

 

 Fotos: Herbert Lichtenauer